Interview mit L. Dabrock

Pflege muss ganz persönlich passen!

Termine:

Donnerstag, 22.03.2012

Gesichts - und Dekolteemassage

Montag, 02.04.2012

Rückkehr an die Ostsee naht....

Freitag, 18.05.2012

"Graue Löwen".....

Die Wohngemeinschaft

Erfahren Sie mehr über das Leben in der Wohngemeinschaft St. Franziskus, die Leistungen und Qualitäten der Einrichtung.

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Philosophie

Die neuen Alternativen – WG statt Heim oder Wohnung allein

Seit den sechziger Jahren heißen in Deutschland Wohnungen mit vielen Nachnamen am Briefkasten WG, Wohn-Gemeinschaft. Oft fremde Menschen ziehen zusammen und wohnen gemeinsam. Auch wenn es Wohngemeinschaften schon lange gegeben hat, besonders viele nach dem Krieg, wo sich Millionen Menschen notgedrungen zusammen einrichten mussten, war die WG damals neu. Eine WG bewohnte man nicht nur, man lebte da unter Protest. Sie war ein Gegenprogramm zum braven Elternhaus und zumindest theoretisch auch zur Liebe zu zweit. Inzwischen sind es die Enkel der WG-Rebellion, die sich Bad, Küche und Kühlschrank teilen. Die meisten von ihnen haben praktische Gründe für diese Art zu wohnen, ihr Konzept ist eher ein Sparprogramm. »Über alternative Wohnformen denken heute vor allem Senioren nach«, sagt Andrea Starkgraff, Leiterin der Seniorenhilfe der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel (SMMP).

Am 1. November eröffnete der Orden in Oelde die »Ambulant betreute Wohngemeinschaft St. Franziskus«. Die Idee für die erste Senioren-WG im Kreis Warendorf sei aus diesem Nachdenken über das Leben im Alter entstanden, erzählt Andrea Starkgraff. Sie stellt fest, dass sich in den Beratungsgesprächen die Themen zu ändern beginnen. »Wir sprechen mit den Senioren und den Angehörigen nicht mehr nur über Pflege, wir reden über das Leben mit Pflege.« Die Lebenserwartung steigt, viele Ältere können heute damit rechnen, sehr alt zu werden. Immer mehr von ihnen beginnen sich zu fragen: Was fange ich an mit dieser gewonnenen Zeit, mit der so genannten dritten Lebensphase? Bei der SMMP-Seniorenhilfe ist das ein heiß diskutiertes Thema. Wie müssen Angebote und Einrichtungen aussehen, um den Senioren gerecht zu werden? »Bisher hörte die Lebensplanung da auf, wo die alterstypischen Probleme und Gebrechen beginnen«, berichtet Andrea Marx. »Wenn Pflege nötig wird, dachten viele, dann ist auch nicht mehr viel vom Leben zu erwarten.« Sie mache die Erfahrung, dass sich das ändert. Sie beschreibt es als Bewegung aufeinander zu.

Einerseits wollen die Senioren mehr aus ihren alten Tagen machen und andererseits sei auch die Pflege sehr viel anspruchsvoller geworden. »Bei uns wird zunehmend mehr gelebt als versorgt und betüttelt.« Die Senioren, die in den nächsten Jahren Pflege brauchen, kommen aus den Aufbaugenerationen. »Sie haben lernen müssen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben nach dem Krieg ein Wirtschaftswunder zustande gebracht. Sie sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, und sehen gar nicht ein, warum sie im Alter damit aufhören sollten.«

An diese Senioren und ihre Angehörigen, die ihr Leben trotz aller Einschränkungen und Probleme, die das Alter mit sich bringt, aktiv gestalten wollen, wendet sich die neue Wohngemeinschaft in Oelde. »Sie ist in zweifacher Hinsicht eine Alternative: zur eigenen Wohnung und zum Pflegeheim«, erläutert Projektleiterin Ida Knecht. »Wer sich allein in den eigenen vier Wänden nicht mehr wohl und sicher fühlt, aber auch das Rundum-Sorglos-Paket im Heim nicht möchte, der ist hier genau richtig.« Geleitet wird das Haus von einer Pflegefachkraft, die insbesondere im Umgang mit demenziell Erkrankten über große Erfahrung verfügt. Je zwölf Senioren teilen sich in der Wohngemeinschaft eine Etage. Jeder von ihnen mietet ein Zimmer. Die großzügige Wohnküche und auch den Garten nutzen alle zusammen. Im Unterschied zu den WGs der jungen Leute hat aber jeder sein eigenes Bad. Darin ähnelt die Wohngemeinschaft eher einer Pension. »Das Zusammenleben ist auf Wohnen in Gemeinschaft angelegt«, sagt Ida Knecht. »Von ähnlichen Projekten in anderen Städten wissen wir, dass die Senioren viel Zeit zusammen verbringen.« Auch wenn jeder sein eigenes Maß habe, wie viel Gesellschaft er braucht und mag. »Hinter der eigenen Tür beginnt das eigene Reich.«

»Ambulant betreut« bedeutet, dass regelmäßig ein Pflegedienst ins Haus kommt. Die Senioren werden je nach Bedarf und Pflegestufe in ihren Zimmern besucht und behandelt. »Wir wollen nicht, dass die Pflege das Leben prägt. Es ist keine Pflege-, es ist eine Wohngemeinschaft«, erklärt die Projektleiterin. Ständig sind nur die Alltagsbegleiterinnen in der WG. Sie assistieren, gehen zur Hand, leisten Gesellschaft – aber die Senioren und ihre Angehörigen sagen, wo es lang geht. »Mitarbeiter sind hier nach unserem Verständnis Gäste.« Damit berührt Ida Knecht einen heiklen Punkt. Die Wohngemeinschaft ist ausdrücklich für Menschen mit Demenz offen. Wie weit aber kann es mit der Selbstbestimmung her sein, wenn der Kopf, der bestimmen soll, sich selbst kaum noch kennt? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. »Aber mit Demenz haben wir in den Heimen wie im ambulanten Dienst jahrelange Erfahrung«, sagt Andrea Starkgraff. Die Wohngemeinschaft in Oelde soll davon profitieren. Sie gehört wie die anderen Einrichtungen zum Orden und arbeitet eng mit den Heimen in Wadersloh, Diestedde und Stromberg zusammen. »Von den Schwestern lernen wir den Respekt, der auch da Anteil nimmt, wo er nicht mehr alles versteht und erklären kann.« Das ist einerseits Pflegewissenschaftliches Konzept, berührt aber schließlich auch die Wurzeln, aus denen der Orden lebt. Das SMMP-Zeichen mit dem Kreuz soll alten Menschen signalisieren, dass sie hier ein Zuhause finden. Einen guten Platz, um alt zu werden, der sicher ist, aber auch Zusammenhalt bietet, Gesellschaft und Inspiration.

Wie in jeder WG ist die Wohnküche das Zentrum, dort findet der Alltag statt. Es wird geredet, gegessen, gespielt und ferngesehen, Haushaltspflichten werden erledigt, die einen machen Kreuzworträtsel, andere Handarbeiten. »Es gibt kein Programm, das eine Leitung festgelegt hätte«, sagt Ida Knecht. Was passiert, bestimmen die Mieter. »Und ihre Angehörigen!« Die SMMP-Seniorenhilfe organisiere den Rahmen, der allen Beteiligten viel Spielraum lassen soll. Die Pflegeprofis von SMMP stellen sich ein offenes Haus vor. Die Wohngemeinschaft liegt nah am Zentrum von Oelde, ist durch Buslinien gut angeschlossen, ringsherum wächst eine neue Nachbarschaft mit Einfamilienhäusern. Für Projektleiterin Ida Knecht ist die Wohngemeinschaft auch ein offenes Haus der Begegnung: »Die Wohngemeinschaft sind schließlich die Mieter, die Angehörigen, Freunde, Nachbarn, Ehrenamtliche.«