Pflege muss ganz persönlich passen!
Ein Interview mit Ludger Dabrock, Geschäftsführer der SMMP-Einrichtungen & Dienste
Im Landkreis Warendorf gibt es 29 Altenpflegeheime mit circa 2100 Plätzen. Gibt es wirklich genügend Nachfrage für Ihr neues Haus in Oelde?
Dabrock: Sie haben insofern Recht, dass wir ausreichend Heimplätze im Kreis haben. Die Senioren und ihre Angehörigen können sich mehr und mehr aussuchen, wo sie einziehen wollen. Und so muss es auch sein! Menschen sind bekanntlich verschieden. Aber die Altenpflege hat lange Zeit so getan, als würde das mit dem Alter und der Pflegebedürftigkeit keine so große Rolle mehr spielen. Die Pflegeversicherung lässt, auch wenn es jetzt Verbesserungen gibt, wenig Platz für Individualität.
Der alte Mensch wird sehr pauschal betrachtet und mit pauschalen Leistungsangeboten bedacht. Das sehen wir bei der SMMP-Seniorenhilfe kritisch. Wir finden es selbstverständlich, dass sich die Senioren und ja vor allem auch ihre Angehörigen das Angebot und die Pflegenden aussuchen können, die zu ihnen passen.
Was heißt das nun für die Nachfrage in Oelde?
Dabrock: Niemand träumt davon, ins Heim zu ziehen. Aus vielen Beratungsgesprächen wissen wir jedoch, dass es zahlreiche Menschen gibt, denen es allein in ihrer Wohnung schon lange nicht mehr gut geht, deren Angehörige weit über die Schmerzgrenze belastet sind, die sich aber strikt weigern, in ein Heim zu gehen. Ihnen können wir nun mit der Wohngemeinschaft eine gute Alternative vorschlagen.
So gesehen, könnten 24 WG-Plätze schnell knapp sein.
Dabrock: Die WG passt nicht für jeden. Sie lebt davon, dass Angehörige, Freunde, frühere Kollegen und Nachbarn die Gemeinschaft mit prägen. Im Übrigen wird das Heim bei uns seltener. Wir arbeiten daran, dass Menschen bei uns ihr individuelles Zuhause finden, nicht das Heim, sondern ihr Heim. Menschen sind verschieden und bleiben das, auch wenn sie alt werden.
Ist es nicht so, dass die meisten Menschen einfach zuhause alt werden wollen?
Dabrock: Wir alle wollen möglichst alt werden und dabei so jung bleiben, dass wir die Veränderungen überhaupt nur beim Blick in den Kalender bemerken. Das Alter ist ein Geschenk und eine Zumutung. Wir müssen aufhören, über alte Menschen so schematisch zu diskutieren: ›Eigene Wohnung immer besser, Heim ganz schlecht!‹ Jeder steckt in seinem eigenen Leben. Und die alte Frau hat unter Umständen mehr davon, wenn sie im Heim lebt und ihre Tochter, die sie vielleicht jahrelang gepflegt hat und darüber fast verstummt ist, plötzlich wieder mit ihr spricht.
Die eigene Frau, die eigene Tochter sind nicht automatisch immer die besten Pflegerinnen?
Dabrock: Das ist ganz schwierig. Da spielen viele Tabus mit. Sie werden von mir jetzt keine allgemein gültige Antwort erwarten. Es gibt Beziehungen, denen tut diese Art von Nähe gut. Anderen tut sie nicht gut. Wenn zum Beispiel aus einer Ehe eine Pflegebeziehung wird. Wenn der Partner dement wird. Ich kann nur sagen, wer spürt, dass seine Liebe oder seine Familie mit der Last der Pflege kaputtzugehen droht, der sollte mit den Pflegeprofis sprechen und eine bessere Lösung suchen.
Zum Beispiel in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft?
Dabrock: Ja, das ist eine Variante unter mehreren Möglichkeiten. Die Hilfen reichen von der individuell organisierten ambulanten Pflege über die Tagesgruppe, die Kurzzeit-, Urlaubs- und Verhinderungspflege bis zur Betreuung im Heim. Die WG schließt da eine Lücke. Doch ich bleibe dabei, jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Schemata helfen zwar bei der Orientierung, aber die Dienstleistung Pflege ist eine Beziehung, die ganz persönlich passen muss. Als christlicher Träger ist uns das ganz wichtig.
Das können Sie ihren Kunden versprechen?
Dabrock: Wir arbeiten intensiv daran.
Vielen Dank für das Gespräch.
November 2007







