Interview mit L. Dabrock

Pflege muss ganz persönlich passen!

Termine:

Donnerstag, 22.03.2012

Gesichts - und Dekolteemassage

Montag, 02.04.2012

Rückkehr an die Ostsee naht....

Freitag, 18.05.2012

"Graue Löwen".....

Die Wohngemeinschaft

Erfahren Sie mehr über das Leben in der Wohngemeinschaft St. Franziskus, die Leistungen und Qualitäten der Einrichtung.

Kontakt

Haben Sie Fragen? Dann rufen Sie uns an oder schreiben uns über das Kontaktformular.

Sie befinden sich hier: » Beispiel-WG 

Senioren-WG Rheinelbepark

»Das kriegen viele junge Familien nicht hin«

Koslowski rekelt sich auf dem Sofa, während die Frauen in der Küche mit Töpfen und Geschirr hantieren. Den Kater geht der Haushalt nichts an. Damit ist er aber der Einzige in der Senioren-WG am Rheinelbepark in Gelsenkirchen, der sich konsequent bedienen lässt. Ansonsten haben alle Mieter auch ihre Pflichten im Alltag. Sie kochen, kaufen ein, bügeln und bezahlen in der Wohngemeinschaft auch noch doppelt oder dreimal soviel wie für ihre letzte Wohnung. Ihre Alternative aber wäre das Pflegeheim. Als so genannte alternative Wohnform ist diese Wohngemeinschaft speziell für die Bedürfnisse dementer Senioren konzipiert. Ein WG-Zimmer dort ist nicht billiger als ein Heimplatz – aber anders.

Walter Ciesielski (84) kennt beide Seiten. Mehrere Monate war er in einem Heim in Bochum. Zunächst hat er da in einem Doppelzimmer gewohnt. Das war nichts für ihn. Der schmale Mann hat ein Leben lang bei Opel im Team als Lackierer gearbeitet. Mit dem akkuraten Scheitel über seinem Jungengesicht, das immer in Bewegung ist, wirkt er alles andere als streitlustig. Selbst dem großen Glaubensthema der Region begegnet er ausgeglichen: »Ich bin für den VfL und für Schalke, mein Herz gehört beiden.« Das Heim aber sei für ihn persönlich nichts gewesen. Seine Betreuerin hat schließlich den Umzug nach Gelsenkirchen organisiert. Das war für ihn ein wichtiger Schritt. Daran lässt er keinen Zweifel, wie sehr ihn die Demenz auch zu verwirren beginnt.

Ein Mann wie Walter Ciesielski sei in der WG wirklich goldrichtig, sagt Chefin Petra Hasenau. Gesellig, interessiert das Leben verfolgend, als allein stehender Mann gewohnt, sich selbst zu organisieren. »Wir legen viel Wert darauf, dass die Senioren hier ein familienähnliches Leben leben. Nicht versorgt, sondern sich selbst versorgend.« Die Mitarbeiterinnen, die als Präsenzkräfte rund um die Uhr da sind, sind nach diesem Konzept »nur Gäste im Haus«. Wenn es zum Beispiel um den Speiseplan geht – »natürlich ein ganz zentrales Thema« – haben die Senioren das letzte Wort. Der wird eine Woche im Voraus besprochen und entschieden. Die Rolle der Präsenzkraft beschränkt sich darauf, die nötigen Mengen auszurechnen und den Einkaufszettel zu schreiben. In den Supermarkt geht es dann wieder als Abordnung der Gruppe. Mit soviel Selbstbestimmung tun sich auch die Angehörigen anfangs oft schwer. »Vater oder Mutter haben hier manchmal mehr zu melden als zuhause.« Dass das nicht einfach ein Miniheim ist, müsse erst mal klar werden. Verwandte, aber auch Freunde oder Betreuer der Senioren haben viel mitzureden. Sie können nicht nur, sie sollen auch Einfluss nehmen, damit die Wohngemeinschaft funktioniert. Die Angehörigen besprechen Anschaffungen, treffen Ärzte im Haus, helfen in der Küche oder beim Einkaufen. »Vor allem aber sind sie Teil des Betreuungskonzepts«, erklärt Petra Hasenau. »Wir überlegen, wer kommt heute Nachmittag, wer hat Lust wozu und dann machen wir was zusammen.« Das geht soweit, dass die Angehörigen das Sommerfest organisieren. »Das betrifft das Personal nur am Rande.« Das macht Arbeit, sei aber auch gut gegen das schlechte Gewissen. »Wer hier einzieht, ist nicht abgeschoben. Das Leben geht hier weiter.«

Der Alltag ist der Maßstab. Deshalb bietet die WG im Vergleich zum Heim bewusst wenig Programm. Montags kommt der Bewegungstherapeut der Reihe nach in alle drei Wohnungen, einmal im Monat ist Gottesdienst. »Wir gucken, wie ist es zuhause, was findet zuhause statt. Da haben sie auch nicht jeden Tag eine Veranstaltung. « Unübersehbar geht es Petra Hasenau dabei ums Prinzip. Die alten Leute sollen auf keinen Fall bevormundet werden, so praktisch es auch wäre, ihnen ein paar von den Alltagsentscheidungen, die ihnen immer schwerer fallen, einfach abzunehmen. Insbesondere, wenn es Konflikte gibt, »im Streit um die Fernbedienung oder wenn jemand immer was zu meckern hat.« Das sei dann ein Fall für die Familienkonferenz am Küchentisch. Das Alter und die Demenz haben da nach Petra Hasenaus Erfahrung auch Vorteile. Die Dinge werden nicht mehr schön geredet und unter den Teppich gekehrt. »Was die Alten da leisten, das kriegen viele junge Familien nicht hin.«